Schöne Ostertage!

Ostern, wie wir es noch nie erlebet haben! Jeder sitzt Zuhause mit seiner Kernfamilie, viele zu zweit, viele ganz allein, wer Glück hat mit Hund oder Katze… Wir haben es uns trotzdem gemütlich gemacht…

 

Und jetzt wünschen wir euch allen…

In Spanien gibt es keine Chance auf ein Treffen mit Freunden oder anderen Familienangehörigen, auch nicht mit Distanz auf einer Wiese, im Park, am Strand. Denn „wir bleiben Zuhause“ ist hier die Devise und niemand bewegt sich von A nach B. Das wird kontrolliert und Polizei und Militär. Ausfallstraßen der Orte und Autobahnen sind teilweise blockiert und werden streng kontrolliert. Der Zustrom der Städter aus Sevilla, Madrid usw. soll unterbunden worden sein, nur einzelne sollen es versucht haben… Die Anwohner*innen berichten teilweise etwas anderes… Es werden Menschen in Supermärkten angesprochen, sie müssen sich ausweisen. Kommen sie nicht aus der Gegend, hagelt es Strafen… Ebenso werden Autos auf Parkplätzen der Supermärkte nach ihrem registrierten Standort identifiziert, wer von weiter weg kommt, hat bei der Rückkehr vom Supermarkt Erklärungsnot und bekommt ebenfalls eine Strafe. Appelle reichen einfach nicht 🙁

Aber die Maßnahmen zeigen Wirkung! Die Kurven flachen sich ab, gehen sogar zurück!

 

Diese Zahlen machen uns große Hoffnung, dass wir nach und nach zu einem „normalen“ Leben zurück kehren werden und dass es weniger Covid19-Infektionen gibt, dass weniger Menschen intensivmedizinisch behandelt werden müssen und vor allem: Dass weniger Menschen an den Folgen dieser Infektion sterben! Eine wichtige Begleiterscheinung wird hoffentlich sein, dass die Menschen mehr auf Hygiene und noch einige Zeit auf mehr körperlichen Abstand achten werden, denn auch wenn die Ausgangssperre nach und nach gelockert wird,  wird das Virus noch immer präsent sein…

Wir vermissen noch immer nichts. Aber wir leben sehr privilegiert, das ist uns völlig bewusst! Dennoch wäre es schön, einfach mal wieder woanders (und nicht nur auf dem Golfplatz und mit schlechtem Gewissen!) mit den Hunden spazieren zu gehen… Aber das sind natürlich nichtige Wünsche!

Ina und ich diskutieren sehr viel über die Situation und auch über die „Stimmungslage“ dazu hier, in Deutschland. Es ist auch spannend wahr zu nehmen, wie unterschiedlich einige Länder mit dem Covid-19 Virus umgehen z.B. in Asien Singapur, Südkorea, China… Nord- und Südeuropa… USA… Afrika… Doch immer wird klar: Die Maßnahmen sind die gleichen – Soziale Distanzierung, Quarantäne, Hygienemaßnahmen, Aufstockung der medizinischen Versorgung, Grenzen schließen. Nur verfügen die Länder über unterschiedliche Ressourcen und setzen unterschiedliche Formen der Kontrolle ein. Je restriktiver und überwachender, desto effektiver (Südkorea und Singapur setzen auch Apps ein, die vor Kontakten mit infizierten warnen und Rückmeldungen geben, wenn man in der Nähe eines Infizierten war). Aber auch je häufiger die Testungen und je effektiver Hygiene und intensivmedizinische Maßnahmen zur Verfügung stehen, desto geringer die Mortalitätsraten (z.B. Deutschland).

Kulturell bedingte körperliche Nähe zwischen den Menschen begünstigen hohe Ansteckungsraten ebenso wie die kulturell bedingte familiäre Gewohnheit, dass verschiedene Generationen unter einem Dach wohnen. Die „Kinder“ ziehen statistische gesehen im Süden Europas viel später aus dem Elternhaus aus, als im Norden Europas. Gleichzeitig wird häufig noch die Großelterngeneration im eigenen Haushalt mit versorgt und/oder gepflegt. So besteht natürlich große Ansteckungsgefahr für die größte Risikogruppe der Covid-19-Infektion: Die Menschen ab 60. Sie werden häufiger im Süden durch die Kinder- und Enkelgeneration angesteckt, während sie im Norden Europas meist allein leben und weniger „Mobilität“ zeigen als die jüngeren Generationen. Dafür sind sie natürlich in Alten(pflege)-heimen großer Gefahr ausgesetzt, was sich ja auch in den Nachrichten widerspiegelt. Es müssen zum Teil ganze Abteilungen von Altenheimen unter Quarantäne gestellt oder in Krankenhäuser evakuiert werden, weil die Hygienemaßnahmen aufgrund fehlender Schutzkleidung gar nicht eingehalten werden können…

Besonders schlimm trifft es – wie immer – die armen Länder dieser Welt. Sie haben keine finanziellen Mittel zu testen, sie leben in großen Familien auf engstem Raum. Die Ansteckung ist nicht zu vermeiden… Es gibt kein Sozialsystem, was Verdienstausfälle auffängt, das Gesundheitssystem ist mangelhaft und muss vom Patienten selbst bezahlt werden… Hier werden sehr, sehr viele Menschen sterben…

Ein großes Diskussionsfeld ist auch die Tatsache, wie die jeweiligen Gesellschaften – und insbesondere Deutschland auf diese Situation reagiert. „Verschwörungstheoretiker“ haben Hochkonjunktur, aber auch die „Berufsskeptiker“, die sich in Bürgerrechten beschnitten sehen und die Maßnahmen der Bundesregierung völlig überzogen finden. Das finde ich ziemlich anstrengend und auch unpassend. Auch wenn ich sehe, dass es an der Zeit ist, nun wieder viel stärker zu demokratischen Instrumenten in der Krisenbewältigung zu greifen, akzeptiere ich, dass man schnell handeln musste, um Schlimmeres zu verhindern. Das zeigt der Verlauf der Covid-19 Pandemie explizit in Deutschland – eines der Länder mit den wenigsten Restriktionen, aber auch eines der Länder, die sich am meisten beschweren – so kommt es mir jedenfalls vor… wir bleiben also im Klischee, das man von deutschen Menschen hat…

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Einige persönliche Gedanken zur aktuellen Lage…

Persönliche Gedanken zu dieser Zeit…

Stell dir vor du bist auf einer zweiwöchigen Reise auf einem Schiff… Du stehst auf dem Aussichtsdeck und genießt die Aussicht und das Leben – du fühlst dich pudelwohl.

Plötzlich ertönt ein durchdringendes Notrufsignal. Du erschrickst und weißt nicht genau, was los ist. Sogleich ertönt eine Stimme aus den Lautsprechern: „Hier spricht der Kapitän: Wir haben einen schweren Notfall! Bitte begeben Sie sich umgehend und ohne Umwege zum Rettungsdeck. Dort bekommen Sie Schwimmwesten und Anweisungen, wie sie die Rettungsbote zu besteigen haben. Dies ist keine Übung! Folgen Sie den Anweisung!“

Würdest du jetzt gemütlich in deine Kabine gehen, deinen Laptop, Fotoapparat, deine Papiere und dein Lieblingsoutfit zusammen packen und dich dann zum Rettungsdeck begeben? Würdest du mit dem dir Anweisungen gebenden Menschen erst einmal deine Grundrechte diskutieren und ihn darauf aufmerksam machen, dass du laut Grundgesetz die freie Wahl deines Aufenthaltes hast? Würdest du das Tragen der Rettungsweste verweigern, weil du schwimmen kannst? Oder würdest du diskutieren wollen, in WELCHES der Rettungsboote zu steigen möchtest? Schließlich steht dir ja die freie Wahl des Transportmittels zu! Du bist doch ein mündiger Bürger in einem demokratischen Land!

Wenn dir dann gesagt wird, dass du dein Handgepäck zurück lassen musst, was dann? Bleibst du lieber auf dem sinken Schiff?

Vergleiche hinken bekanntlich ja immer. Aber ein bisschen komme ich mir gerade so vor wie oben beschrieben…

Es gibt Situationen, in denen KANN man nicht erst einmal die Grundrechte abfragen oder die eigenen Bedürfnisse abwägen. Da geht es darum, das „Schlimmste“ zu verhindern.

Auf einem Schiff sind die Notfallmaßnahmen bis zum Umfallen von den Verantwortlichen geübt und erprobt. Für die Passagiere sind sie neu, erschreckend, ungewohnt. Dennoch wollen viele ihr „kleines Päckchen“ noch schnell zusammen raffen, nichts verlieren, ihre Autonomie behalten. 

Doch es geht schlichtweg ums „nackte Überleben“. 

Ja, es gibt immer (administrative) Notfallpläne für die Ausbreitung von „Seuchen“. Aber in der praktischen Umsetzung ist es dann doch immer wieder „überraschend“, neu, anders als erwartet…

Wie wir weltweit sehen können, reagieren ALLE Nationen schlussendlich gleich: Soziale Distanzierung, Quarantäne, Hygienemaßnahmen, Aufstockung der medizinischen Versorgung, Grenzen schließen. DAS sind die notwendigen Erstmaßnahmen und an denen kommen alle redenschwingenden Populisten dieser Tage auch nicht vorbei! Diese Maßnahmen sind nicht diskutierbar, sondern müssen einfach befolgt werden, um Schlimmeres zu verhindern – die Frage ist häufig nur: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Ist die Situation beherrschbar, kann und muss man diskutieren, reflektieren, zurück nehmen und korrigieren, neu entscheiden. Aber in der akuten Phase muss man dem Kapitän und seiner Mannschaft einfach vertrauen, dass sie wissen, was zu tun ist. 

Wie hilfreich ist es dann wohl anzunehmen, dass sich der Kapitän mit 150 anderen Kapitänen abgesprochen hat, die alle nacheinander vorgeben, dass das Schiff sinken wird und man nun in Rettungsboote umsteigen muss – ohne, dass es dafür einen Anlass gibt? 

Und klopfen sie sich anschließend gemeinsam auf die Schenkel und lachen sich halb tot über die blöden Passagiere, die ihre Anweisungen kritiklos wie die Lemminge folgen? 

Das erscheint mir doch mehr als absurd!

Meinungsfreiheit, Demokratie, Selbstbestimmung – das sind die Augäpfel unserer Gesellschaftsform und sehr hohe und wichtige Güter. Dazu gehört meiner Meinung aber auch, dass man anzuerkennen bereit ist, dass sie manchmal einfach für kurze Zeit außer Kraft gesetzt werden müssen, um Schlimmeres zu vermeiden… Wir haben darin bisher nur so gar keine „Übung“ und das scheint es so schwer zu machen…

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